Wenn Arbeitsunfälle erst einmal auftreten, sind sie mit hohen Kosten verbunden. Durch den Personalausfall sehen sich Unternehmer mit einem Produktivitätsverlust konfrontiert. Besonders in Zeiten von Fachkräftemangel fallen längere Ausfallzeiten ins Gewicht.
Die gute Nachricht ist für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen, dass sich der Arbeitsschutz in den vergangenen Jahrhunderten enorm weiterentwickelt hat. Er hat sich aus Erfahrungen mit Arbeitsunfällen, aus technischen Fortschritten und aus gesellschaftlichen Auseinandersetzungen entwickelt (Historie des Arbeitsschutzes). Auch heutzutage wird im Bereich Arbeitsschutz geforscht und es werden regelmäßig neue Verordnungen und Gesetze veröffentlicht oder überarbeitet (Überarbeitungen im Arbeitsschutz für 2026). Ziel ist ein sicherer und gesunder Arbeitsalltag für alle Beschäftigten.
Bei näherer Betrachtung der Arbeitsunfälle Statistik Deutschland wird daher schnell ersichtlich, dass die Zahl an Arbeitsunfällen im Zeitverlauf kontinuierlich abnimmt. Mit anderen Worten: Die umfassenden Arbeitsschutzmaßnahmen, die Unternehmer, Mitarbeiter und Fachleute für Arbeitssicherheit gemeinsam umsetzen, zeigen Wirkung. Die Erstellung der Gefährdungsbeurteilung ist demnach nicht nur eine Pflicht, sondern ein wirksames Instrument (§ 5 ArbSchG).
Dennoch gilt: Jeder Arbeitsunfall ist einer zu viel. Als Unternehmer oder Arbeitnehmer fragen Sie sich an dieser Stelle: Was sind die häufigsten Arbeitsunfälle? Unser Blogbeitrag liefert Ihnen einen Überblick über die häufigsten Arbeitsunfälle.
Jetzt Arbeitsschutzbetreuung anfragen!
Unsere Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte beraten und unterstützen Sie deutschlandweit in Ihrem Unternehmen.
Arbeitsunfälle in Deutschland – aktuelle Statistik im Überblick
Die 5 häufigsten Arbeitsunfälle in Deutschland laut Statistik
Betrachtet man die Arbeitsunfälle Statistik Deutschland wird deutlich, dass bestimmte Unfallarten über die Jahre hinweg konstant bleiben. Zu den häufigsten Arbeitsunfällen gehören:
- Stolpern, Rutschen und Stürzen
Hierbei handelt es sich mit Abstand um die häufigste Unfallart. Häufig sind rutschige Böden oder ungesicherte Wege verantwortlich.
- Heben und Tragen von Lasten
Erkrankungen des Muskel-Skelett-Apparats und langfristige Ausfälle von Personal sind die Folge.
- Unfälle mit Maschinen und Werkzeugen
Mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen oder fehlerhafte Bedienung sind oftmals die Ursache. (Lesen Sie auch: Schutzvorrichtungen bei Cobots und Industrierobotern)
- Anstoßen, Einklemmen oder Getroffenwerden
Das Baugewerbe, Produktions- und Lagerarbeiten sind oft betroffen.
- Verkehrs- und Wegeunfälle
Ja, auch Unfälle auf dem direkten Arbeitsweg gelten als Arbeitsunfälle und sind meldepflichtig.
Welche sind die häufigsten Arbeitsunfälle je nach Berufsgruppe?
Statistik über häufigste Arbeitsunfälle je nach Branche (je eine Million Beschäftigtenstunden, nur meldepflichtige):
|
Berufsgruppe |
In 2023 |
|
Baukonstruktions- und verwandte Berufe |
115 |
|
Abfallentsorgung |
108 |
|
Kinder-, Lernbetreuung |
92 |
|
Bedienung moderner Anlagen |
84 |
|
Berufe in der Nahrungsmittelverarbeitung, verwandte handwerkliche Fachkräfte |
78 |
|
Bedienerinnen und Bediener von Anlagen der Metallerzeugung, -umformung, -veredelung |
69 |
Zu den 3 Berufsgruppen, die tendenziell am häufigsten von Arbeitsunfällen betroffen sind, zählten im Jahr 2023 Baukonstruktionsberufe, Arbeitnehmer in der Abfallentsorgung sowie Berufsfelder in der Kinder- und Lernbetreuung (DGUV Barometer Arbeitswelt 2025).
Reduzieren Sie Arbeitsunfälle und Ausfallzeiten in Ihrem Betrieb durch eine professionelle Gefährdungsbeurteilung. Jetzt anfragen
Arbeitsunfälle Statistik Deutschland – Trends
Zeitverlauf – abnehmende Tendenz
Zu Beginn eine gute Nachricht: Ein klarer Trend, der dem DGUV Barometer Arbeitswelt 2025 zu entnehmen ist, sind insgesamt rückläufige Zahlen von Arbeits-und Wegeunfällen. Das lässt sich der Datenanalyse entnehmen, die die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) jedes Jahr anhand der gemeldeten Arbeitsunfälle erstellt.
|
|
2014 |
2015 |
2016 |
2017 |
2018 |
2019 |
2020 |
2021 |
2022 |
2023 |
|
Arbeitsunfälle |
22,3 |
22,0 |
21,9 |
21,2 |
23,1 |
21,0 |
18,5 |
19,8 |
18,3 |
18,1 |
|
Wegeunfälle |
3,8 |
3,8 |
3,9 |
3,9 |
3,6 |
3,6 |
3,1 |
3,4 |
3,3 |
3,3 |
Unfallschwerpunkte
Allerdings zeigt die Übersicht der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) auch, dass die Unfallschwerpunkte der gemeldeten Arbeitsunfälle unverändert sind. Mehr als 20% der registrierten Arbeitsunfälle passieren, weil Arbeitnehmer stolpern, ausrutschen oder stürzen. Einen weiteren Schwerpunkt bildet der Umgang mit Arbeitsmitteln. Beispielsweise trägt der Einsatz von Werkzeugen und Maschinen häufig zu Unfällen bei, etwa wenn ein Gegenstand oder Werkstück nicht mehr sicher festgehalten oder geführt werden kann.
DGUV Barometer Arbeitswelt – Befragungen Arbeitswelt
Zwar sprechen die Zahlen der Arbeitsunfälle Statistik Deutschland für sich und geben Auskunft in Bezug auf häufigste Arbeitsunfälle oder Berufskrankheiten. Sie bilden allerdings nicht ab, welche aktuellen Entwicklungen in der Arbeitswelt passieren, wie der Arbeitsschutz in der täglichen Arbeitswelt wirklich gelebt wird und welche Einsichten und Einstellungen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zur gelebten Praxis haben.
Mit dem DGUV Barometer Arbeitswelt 2025 gibt es erstmal ein Format, in dem Befragungen zu Sicherheit und Gesundheit in der Arbeitswelt ausgewertet wurden. Die Unfallkassen und der Zentralverband der Berufsgenossenschaften (BG) sorgen mit dieser Initiative für eine stärkere Abbildung der realen Bedingungen und Wahrnehmungen der Arbeitswelt.
Was Befragungen über die heutige Arbeitswelt zeigen
Die Umfragen zur Arbeitswelt haben einmal mehr verdeutlicht, was viele Arbeitnehmer und Arbeitgeber bereits wahrnehmen. Insbesondere der psychische Druck am Arbeitsplatz nimmt stetig zu. Zunehmende Arbeitsverdichtung und Zeitdruck sind die Hauptfaktoren hierfür. Personal-, Fachkräftemangel und Digitalisierung stellen die größten Herausforderungen der Arbeitswelt dar – Stress am Arbeitsplatz für jeden Einzelnen ist die Folge.
Nicht nur die Tatsache, dass Stress im Arbeitsalltag vermehrt aufkommt, beschäftigt die Unfallversicherungen. Vor allem die möglichen Folgen, wie zum Beispiel Kommunikationsfehler und Zeitdruck, beschäftigten die Akteure des Arbeitsschutzes schwerpunktmäßig. Denn dies sind maßgebliche Punkte, die das Unfallrisiko im Arbeitsalltag erhöhen. Um die Frage nach häufigsten Arbeitsunfällen zu beantworten und vorbeugende Maßnahmen zu etablieren, muss die Aufmerksamkeit aller Akteure insgesamt mehr auf die psychische Belastung gelenkt werden.
Der DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Hussy empfiehlt Arbeitgebern daher:
„Machen Sie eine Gefährdungsbeurteilung, beziehen Sie dabei auch die psychische Belastung ein. Damit gehen Sie Gefährdungen bei der Arbeit systematisch an. Entwickeln Sie zudem die klare Haltung, dass Sicherheit und Gesundheit Führungsaufgabe sind.“
Gerne unterstützen wir von der Arbeitssicherheit.GmbH Ihr Unternehmen dabei, Gefährdungen systematisch zu erkennen und zu bewerten. Wir führen professionelle Gefährdungsbeurteilungen – einschließlich der psychischen Belastungen – praxisnah und rechtssicher durch.
Risikofaktoren Häufigste Arbeitsunfälle
Die Befragungen zeigen die Perspektive von Arbeitnehmern und Arbeitgebern auf die Risiken von Arbeitsunfällen und bieten einen Mehrwert gegenüber statistischen Erfassungen, die sich auf das häufigste Auftreten von Arbeitsunfällen konzentrieren. Die Umfrage befasst sich auch mit der Frage nach Druck im Unternehmen. Eine Anzahl von 32 % der Umfrageteilnehmer bewertet die wirtschaftliche Lage als weniger gut oder schlecht. Ganze 59 % betrachten den Mangel an Fachkräften als größte Herausforderung und 51 % der Befragten geben einen zunehmend steigenden Zeitdruck an. Stress durch ein gereiztes Betriebsklima geben 43 % an und 29 % erkennen einen Rückgang der Fehlerkultur.
Mit insgesamt 78 % sieht sich ein großer Teil der Arbeitnehmer gut oder sehr gut in einer sicheren Arbeitsweise begleitet, wobei ein Fünftel der Arbeitnehmer angibt, keine Sicherheitsunterweisungen in regelmäßigen Abständen zu erhalten. Die Hälfte der Befragten sieht eine hohe Arbeitsbelastung und Zeitdruck als Hauptrisikofaktor für Arbeitsunfälle. Weitere genannte Risikofaktoren für Arbeitsunfälle sind: Überstunden (32 %), mangelnde Kommunikation (27 %), nicht vorhandene Pausen (25 %), Lärm, Mängel an Maschinen und nicht vorhandene Beleuchtung (20 %).
Kleine Unternehmen und Arbeitsunfälle
Ein Fünftel der Arbeitnehmer gibt an, keine regelmäßigen Sicherheitsunterweisungen zu erhalten. Das tritt insbesondere in kleineren Betrieben auf. Laut Befragung gilt: Mit abnehmender Unternehmensgröße treten fehlende Sicherheitsunterweisungen häufiger auf (Barometer Befragung).
Lassen Sie Ihre betrieblichen Unfallrisiken durch die erfahrenen Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Sifa) der Arbeitssicherheit.GmbH analysieren.
Wie Unternehmen häufige Arbeitsunfälle wirksam verhindern können
Um Arbeitsunfällen im Unternehmen vorzubeugen, müssen die drei Säulen der Arbeitssicherheit berücksichtigt werden. Demzufolge sollten Arbeitgeber 1. die Gefährdungen im Betrieb bereits im Vorhinein erkennen und entsprechende Arbeitsschutzmaßnahmen entwickeln. Die Erstellung der Gefährdungsbeurteilung gehört zu den Arbeitgeberpflichten (§ 5 ArbSchG).
Gemäß Punkt 2 müssen sämtliche Arbeitsmittel (z.B. Maschinen) laufend überprüft und gewartet werden, damit die Verwendung keine Risiken für Arbeitnehmer birgt. Dazu gehören auch elektrische Anlagen nach der DGUV V3 Prüfung sowie die Regalprüfung (§ 12 BetrSichV). Zur Überprüfung der Sicherheit von genutzten Geräten gehört auch die ergonomische Arbeitsplatzanalyse.
Aspekt 3 umfasst die Schulung von Arbeitnehmern. Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) schreibt fortlaufende Sicherheitsunterweisungen aller Mitarbeiter vor – insbesondere zum Beginn der neuen Tätigkeit oder bei Veränderungen (§ 12 ArbSchG). Die Dokumentation ist verpflichtend und muss erfolgen (§ 4 Abs. 1 DGUV V1).
Arbeitnehmer, die nach effektiven Maßnahmen zur Unfallvermeidung befragt wurden, geben „klare Anweisungen und Vorgaben der direkten Führungskraft“ und „Ansprache von Mitarbeitern bei Nichteinhaltung von Sicherheitsvorschriften“ als besonders wirksam an. Ähnlich wirksam empfinden Mitarbeiter ein vorbildliches Verhalten der Geschäftsführung sowie der direkten Vorgesetzten im Sinne des Arbeitsschutzes. Gleiches gilt für die allgemeine Informationsvermittlung zu Sicherheitsvorschriften innerhalb des Unternehmens.
Doch genau hier sehen viele Unternehmer eine Herausforderung: Mangelnde Zeit, fehlende Fachkenntnisse oder unklare Zuständigkeiten führen zu unvollständig oder verzögert umgesetzten Arbeitssicherheitsmaßnahmen. Mit unseren erfahrenen Spezialisten für Arbeitssicherheit setzen Sie alle gesetzlichen Anforderungen um – ohne internen Mehraufwand. Jetzt anfragen
Unterstützung durch Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Sifa) und Betriebsärzte
Dr. Edlyn Höller, die stellvertretende DGUV-Hauptgeschäftsführerin erklärt, warum die Einhaltung der Arbeitsschutzmaßnahmen trotz der sinkenden Arbeitsunfallzahlen weiterhin von Bedeutung bleibt:
„Der Fachkräftemangel wird sich in den kommenden Jahren weiter zuspitzen. Mehr denn je sollten wir daher Maßnahmen, um unfall- und erkrankungsbedingte Ausfallzeiten oder Frühverrentungen zu verringern, nicht als Bürokratie verstehen, sondern als Investitionen, von denen alle Seiten profitieren.“ (DGUV)
Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Sifa) und Betriebsärzte spielen hierbei eine zentrale Rolle. Indem sie anhand der Gegebenheiten vor Ort im Unternehmen vorbeugende Arbeitsschutzmaßnahmen entwickeln und die Gefährdungsbeurteilung anfertigen, tragen sie zu einem sichereren Arbeitsalltag bei. Mittels arbeitsmedizinischer Betreuung lassen sich zudem Ausfallzeiten verringern. Gleichzeitig entlasten sie Unternehmer, da sie viele organisatorische und dokumentationsbezogene Anforderungen im Arbeitsschutz übernehmen.
Unsere Experten von der Arbeitssicherheit.GmbH entwickeln eine nachhaltige Strategie für mehr Sicherheit und weniger Ausfallzeiten in Ihrem Unternehmen
Häufig gestellte Fragen:
Wo melde ich mich bei einem Arbeitsunfall?
Meldepflichtige Arbeitsunfälle müssen der zuständigen Berufsgenossenschaft (BG) des Betriebs gemeldet werden. Die zuständige Berufsgenossenschaft lässt sich über den Tätigkeitsbereich Ihres Unternehmens ermitteln (Branche ermitteln).
Wann muss ich einen Arbeitsunfall der BG melden?
Wenn ein Arbeitnehmer nach einem Arbeitsunfall mehr als 3 Tage arbeitsunfähig ist, gilt der Unfall als meldepflichtig. Auch Wegeunfälle zählen dazu. Der Unfalltag selbst fließt nicht in die Drei-Tage-Frist ein, Wochenenden und Feiertage allerdings schon. Arbeitsunfälle mit besonders schwerem Ausmaß oder gar tödlichem Verlauf müssen Arbeitgeber der Berufsgenossenschaft (BG) sofort melden (§ 193 SGB VII). Eine frühzeitige Meldung an die Berufsgenossenschaft bei Arbeitsunfall stellt sicher, dass sämtliche Leistungen wie medizinische Versorgung und Rehabilitation schnell eingeleitet werden können.
Welche Nachteile hat ein Arbeitsunfall für den Arbeitgeber?
Neben hohen Kosten und Personalausfall müssen Arbeitgeber bei Arbeitsunfällen mit (länger andauernden) Störungen im Arbeitsablauf rechnen. Besonders schwere Arbeitsunfälle nehmen auch Einfluss auf das Image eines Unternehmens.
Jetzt Arbeitsschutzbetreuung anfragen!
Unsere Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte beraten und unterstützen Sie deutschlandweit in Ihrem Unternehmen.